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Die fünf Übungen - Originalangaben von Rudolf Steiner

Ja und Nein

Meine lieben Freunde, wir wollen heute übergehen zu einigen eurythmisierenden Übungen, welche sich mehr auf das Wirken vom Seelischen aus beziehen. Dabei muss aber vorausgeschickt werden, dass gewöhnlich angenommen wird, wenn der Mensch eine Willensäusserung entwickelt, oder wenn er ein Urteil entwickelt, dass diese Äusserungen nur zusammenhängen mit dem menschlichen Nervensystem. Das ist aber durchaus nicht der Fall, sondern man muss sich klar sein darüber, dass zum Beispiel Urteile, die der Mensch abgibt, durchaus zusammenhängen mit seiner Gesamtkonstitution, dass der Mensch ein Urteil aus seinem Gesamtwesen heraus gibt. Wenn man daher für ein Urteil die entsprechende eurythmische Bewegung macht, dann ist das auch wieder so, dass dadurch der ganze Mensch in einer gewissen Weise beeinflusst wird, dass also nicht für dasjenige, was in einem eurythmischen Beurteilen zustande kommt, etwa bloss der Kopf beeinflusst würde.

Wenn Sie zum Beispiel kennen lernen für eine Bejahung die entsprechende Bewegung, nun für eine Verneinung: (Frau Baumann demonstriert). Jetzt aber kann man natürlich das auch [therapeutisch anwenden]. Das ist natürlich dann oftmals hintereinander zu machen, wenn es als therapeutische Übung gemacht wird. Nun, eine solche Bejahung und Verneinung ist ja im übergeordneten (*) Sinne dasjenige, was man ein Urteil nennen kann; wenn man irgend etwas bejaht oder verneint, hat man ja das eigentliche Wesen des Urteils.

Wenn Sie eine solche Bejahung oder Verneinung abgeben, so ist das so, wenn es öfters wiederholt wird - Sie können zum Beispiel, sagen wir die Bejahung zehnmal hintereinander wiederholen lassen, dann die Verneinung. Sie können dann darauf folgen lassen Bejahung, Verneinung, Bejahung, Verneinung, zehnmal beides hintereinander -, so wirkt eine solche Bewegung auf dem Umwege durch den Ätherleib ausserordentlich stark auf das Atmungssystem, und man kann sagen: Man kann auf diese Weise einer vorhandenen Kurzatmigkeit entgegenarbeiten, so dass also, wenn wiederum diese Kurzatmigkeit das Symptom für irgendeine tieferliegende Krankheitserscheinung ist, man da - weil ja die Sache auf dem Umwege durch den Ätherleib geschieht - tatsächlich hineinarbeiten kann in die ganze Konstitution des Organismus.

Sie müssen nur eigentlich jetzt ins Auge fassen, was das ist, was da getan wird. Dasjenige, was jetzt Frau Baumann getan hat, das könnte man in folgender Weise etwa interpretieren und würde auch das Wesen treffen, man könnte sagen: Das, was sie in die Welt gesetzt hat dadurch, ist ein flüchtig gewordener Gedanke, gleichsam der Gedanke, der Flügel gewonnen hat und in die Bewegung übergegangen ist. Wenn ein Urteil eurythmisch fixiert wird, eine Bejahung oder Verneinung, so ist das ein Gedanke, der reitet auf der Bewegung, Und dadurch, dass der Gedanke auf der Bewegung reitet, setzt man tatsächlich einen Teil dieses Wesens heraus; da der Gedanke auf der Bewegung reitet, nimmt man tatsächlich einen Teil gründlicher in sich herein, als es sonst ist. Das heisst, man macht eine Bewegung, durch die man eigentlich wacher wird als man sonst ist.

Solche Bewegungen sind tatsächlich aufweckende Bewegungen. Aber da man mit dem Ich nicht zu gleicher Zeit in derselben Weise aufwacht, so wird die Ich-Tätigkeit dadurch in einer gewissen Weise herabgestimmt. Dieses Herabstimmen der Ich-Tätigkeit ist aber nicht absolut, sondern in Relation zum Organismus; das macht dasjenige aus, was man auf dem Umwege durch den Ätherleib eben als erstes Symptom erreicht in der Bekämpfung der Kurzatmigkeit, und was dann eigentlich sich auf dem Umwege durch den Ätherleib in die ganze menschliche Konstitution hineinverfügt.

* Wort nicht eindeutig zu entziffern, von Helene Finckh ursprünglich mit «negativen» übertragen, später korrigiert mit «ausgesprochenen». Nach vielen Vergleichen mit anderen Stellen im Stenogramm ist «übergeordneten» am ehesten vertretbar.

Sympathie und Antipathie

Nun eine Willenszustimmung, also sagen wir Sympathie und Antipathie, geben: (Frau Wolfram demonstriert) Sympathie - nun zurück also! - und Antipathie. Nun denken Sie sich, Sie machen diese Bewegung in der Tat sehr häufig hintereinander: Sympathie, Antipathie, Sympathie, Antipathie, oder auch eines von beiden. Wenn Sie dieses machen - es ist natürlich das nur zu konstatieren durch das Anschauen -, wenn Sie dieses machen, dann ist das in einem gewissen Sinne eine Art von Heraussetzen von etwas, was man in sich trägt. Es ist eine Art von Einschlafen nämlich.

Es ist ja auch eine Bewegung, bei der derjenige, der ihr zuschaut - die andere Bewegung (Ja und Nein) muss schnell, diese langsam ausgeführt werden -, es ist schon etwas, wodurch derjenige, der zuschaut, auch die Imagination des Schlafes bekommt, man imaginativ also gewissermassen einschläft mit einer solchen Bewegung - wenigstens sollte man es nicht [in Wirklichkeit]!

Da man aber doch, während man diese Bewegung macht, nicht in Wirklichkeit einschläft, so ist das Ich in Relation zum Körper stärker tätig, als es sonst ist. Also es ist stärker tätig als es sonst ist, und es wird dann durch eine solche Bewegung im wesentlichen die Zirkulation und die Gesamtverdauung angeregt, die Gesamtverdauung so angeregt, dass zum Beispiel durch eine solche Bewegung die Neigung zum Aufstossen bekämpft werden kann.

Liebe und E

Jetzt wollen wir einmal ausdrücken dasjenige, was man etwa nennen kann, sagen wir, das Gefühl der Liebe zu etwas (Frau Baumann). Sehen Sie sich das gut an, also das Gefühl der Liebe zu etwas. Denken Sie sich das zehnmal hintereinander ausgeführt und denken Sie es begleitet in der Weise, in der Weise also, dass Sie es hintereinander ausführen zehn Mal und es begleiten so, dass Sie immer zwischen dieser Bewegung dann eine kräftige E-Bewegung machen. Also: Liebe - E, Liebe - E, und so weiter hintereinander dieses ausführen.

Also: Ein solches Gefühl - es könnte auch ein anderes Gefühl sein -, also dasjenige, was Sie lernen in der Eurythmie als Gefühls-Bewegung, lassen Sie immer begleiten von E-Bewegungen.

Da haben wir immer eine starke Wirkung, die vom Ätherischen des Menschen ausgeht auf sein Astralisches, und die im wesentlichen eine, ich möchte sagen, die Zirkulation warm machende Wirkung hat. Es ist also etwas, was tatsächlich auf das Zirkulationssystem in einer wohltätigen Art einwirkt. Man kann nicht sagen, dass es beschleunigt oder verlangsamt, aber es wirkt in einer wohltätig erwärmenden Weise ein.

Hoffnung und U

Nun gibt es auch etwas, was man einen Wunsch nennen kann: Hoffnung (Fräulein Wolfram). Sehen Sie sich dieses an, und denken Sie sich das, indem man immer wieder in die Gleichgewichtslage zurückgeht, dann immer wiederum diese Wunschbewegung ausführt, denken Sie sich das in der Abwechslung begleitet immer von einer U-Bewegung, also begleitet, abgewechselt damit.

Das bedeutet eine sehr starke Einwirkung des Astralischen auf das Ätherische und man kann sagen, dass dadurch wiederum eine wohltätig erwärmende Wirkung auf das Atmungssystem ausgeübt wird.

A-H und Verehrung

Machen Sie (Frau Wolfram) zunächst einmal irgendeine A-Bewegung; und jetzt versuchen Sie, aber recht langsam, wie wenn Sie also wirklich es ganz bedächtig machen wollten, indem Sie die Arme so lassen, dieselbe Bewegung, die ich vorhin gesagt habe, diese Schulterbewegung des H, und wieder zurück, also in der A-Bewegung der Arme diese Schulterbewegung des H zu machen.

Das ist dann dasjenige, was man nennen könnte: der ganze Organismus richtet sich ein auf das Gefühl der Verehrung, und es hat auch alles dasjenige, was durch das Gefühl der Verehrung ja im wesentlichen im Organismus bewirkt wird. Durch das Gefühl der Verehrung, wenn es beim Menschen habituell ist, wird ja auf den Organismus die Wirkung ausgeübt, dass er dadurch in der Tat dauerhafter wird, also beständiger wird, als Organismus beständiger wird. Er wird widerstandsfähiger. Menschen, die wirklich richtig veranlagt sind dazu, gut verehren zu können, die werden widerstandsfähiger in ihrem Organismus.

Daher: alles dasjenige, was man den Kindern an Verehrung, an Begabung oder an Fähigkeit der Verehrung beibringt, das macht die Kinder widerstandsfähiger. Und man kann dieser Widerstandsfähigkeit gerade durch die zuletzt angeführte eurythmische Übung zu Hilfe kommen.

Wirkung

Nur natürlich handelt es sich darum, dass all diese Dinge, die wir heute besprechen, auf dem Umwege durch den Ätherleib stattfinden, und dass sie daher ihre Wirkung niemals am nächsten Tage schon äussern können, sondern ungefähr nach zwei bis drei Tagen erst irgendwelche Wirkungen zeigen können; aber um so sicherer sind dann diese Wirkungen.

Überhaupt muss man das durchaus festhalten, dass das, was wir heute für Urteil, Willensäusserung, Hoffnung, für Liebe angeführt haben, was wir sonst angeführt haben, dass das in der Tat sich so zum Menschen stellt, dass der Mensch dadurch im Innersten seines organischen Wesens ergriffen wird und auf dem Umwege durch den Ätherleib tatsächlich die Möglichkeit bekommt, überhaupt diesen Ätherleib zu einem brauchbaren Patron zu machen.

Der Ätherleib ist ja etwas im Menschen, was bei den meisten Menschen, die ihr Leben versitzen, die ihr Leben ohne Interesse für ihre Umwelt zubringen, was bei diesen Menschen steif wird. Und es ist eben nicht gut, es ist auch für die organischen Funktionen nicht gut, wenn der Ätherleib des Menschen steif wird.

Wenn man mässig die Bewegungen, die wir heute beschrieben haben, ausführen lässt von Kindern, wenn man sie recht energisch ausführen lässt [von] den entsprechenden Patienten, dann wird der Ätherleib geschmeidig, in sich beweglich, und man tut sowohl Kindern wie auch Erwachsenen damit etwas Gutes.

Ich betone noch, damit kein Missverständnis entsteht, dass natürlich die Meinung nicht entstehen darf, dass solche Übungen, zwei, drei Tage durchgeführt, eben schon eine sehr bedeutsame Wirkung haben könnten. Das würde ein Irrtum sein. Solche Übungen müssen, wenn sie eine Wirkung haben sollen, mindestens sieben Wochen durchgeführt werden. Sieben Wochen also, das ist so ein Zeitraum, der durchaus - ohne dass man dabei, wenn man es behauptet, mystisch angekränkelt sein muss -, der ungefähr dann zeigt, wohltätig also, [die] eben charakterisierten Wirkungen.

Auszug aus: Rudolf Steiner, Dornach, 16. April 1921, GA 315 5. Vortrag.
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